Performances

Matt in drei Zügen

Ausgangspunkt der Performance war die vom Künstler Reinhold Knapp geschaffene Installation mit dem Titel "Der Leviathan", die vom September 2014 bis Januar 2015 im Erlanger Stadtmuseum anlässlich der Ausstellung "14-18-14 Im Westen nichts Neues !?" aufgebaut war.

Die Performance fand im Rahmen der Finissage im Januar 2015 statt.

Die Installation "Der Leviathan"

Während am Boden sechs Werke mit Analogien zu Themen rund um den Krieg 1914-18 und 100 Jahre später liegen, ragt in der Mitte eine Säule auf, die vier wankende Business-Türme trägt. Deren Fassaden werden von metallenen Nägeln gebildet.

Die Analogie hier: In den Jahren 1914 und 1915 wurde das Deutsche Volk aufgerufen, Nägel zu kaufen und damit Bilder zu gestalten. So entstand z.B.  in Hamburg eine vier Meter hohes Nagelbild von Hindenburg. Den Erlös aus dem Nagel"geschäft" benutzte der Staat indirekt zur Finanzierung des Krieges. Das Volk wurde (nach den Steuern) ein zweites Mal zu Kasse gebeten.

Im Jahr 2008 wurde die deutsche Bevölkerung wiederum indirekt dazu gezwungen, dem Staat während der Finanzkrise zu helfen, indem die strauchelnden Banken durch Bürgschaften vom Staat vor dem Bankrott gerettet wurden.

Deshalb hat der Künstler R. Knapp auf der Säule die Inschrift angebracht: Vom Deutschen Volke im Gegensatz zur Inschrift auf dem Reichtagsgebäude , die dort lautet: Dem Deutschen Volke.

Die Performance begann damit, dass Reinhold Knapp und sein Künstlerkollege Reiner F. Schulz die am Boden liegenden Bilder in 30 x 30 cm große, helle und dunkle Quadrate zerschnitt. Während dieser unwiderbringlichen Zerstörung wurden Texte und Meldungen aus namhaften Tageszeitungen und Fachmagazinen verlesen, die sich mit den arroganten Machenschaften von Bänkern und Hedge-Fonds-Managern seit dem Ausbruch der Finanzkrise auseinander setzten.

Die hellen und dunklen Bildquadrate wurden anschließen zu einem Schachbrett zusammegelegt, auf dem dann in einer kurzen Sequenz das dramatische Nachtgeschehen im Kanzleramt als Schachspiel nachgestellt wurde. Josef Ackermann, dem damaligen Chef der Deutschen Bank, stellte die Kanzlerin Angela Merkel vor die Wahl, entweder die maroden Banken bankrott gehen zu lassen - mit unabsehbaren aber sicherlich dramatischen Folgen für das Bankenwesen - oder sie mit einer Milliarden schweren Staatsbürgschaft zu retten. Die Kanzlerin hatte keine Chance zu gewinnen, sie wurde matt gesetzt, in drei Zügen.

 

Im Anschluss an die Performance überließ der Künstler die Schachbrettfelder dem Publikum als Geschenk.