Urlaub in der Nickelmine

Nickelmine Fénix in Guatemala

In memoriam Carlos Maaz

Dan Bronstein, CEO von Solvay

Nickel, wir brauchen Nickel, dringend und immer mehr: für Schmuck, für rostfreien Stahl, für Auto-Batterien (E-Autos lassen grüßen), für Handys (alle 2 Jahre ein neues).

Nur leider gibt es Nickel bei uns nicht. Aber zum Beispiel in Guatemala.

Und da kommt der Welt größter privater Nickel-Produzent ins Spiel, die Solvay Group mit Sitz in Zug (sehr niedrige Steuersätze) in der Schweiz.

Das Unternehmen betreibt die Nickel-Mine Fénix am Izabal-See im Tagebau. Dazu braucht man Platz und Wasser für die Produktion. Und Land für die weitere Erschließung.

Nur zu dumm, dass dort die indigenen Maya Q'eqchi leben, und das nicht erst seit gestern. Und die beklagen sich auch noch: die Luft sei stark verschmutzt (40 mal stärker als bei uns zugelassen), viele werden lungenkrank, der Izabal-See sei belastet, Seekühe und Schildkröten sterben, die Fische könnten sie nicht mehr verkaufen. Obendrein rodet der Minen-Betreiber ungefragt Wälder, um neue Nickel-Felder zu erschließen. Das müsse enden, sagen die Q'eqchi.

 

Und oh Wunder, das ist dann auch passiert, die Mine wurde auf Veranlassung des guatemaltekischen Verfassungsgerichts 2019 stillgelegt. Was Solvy aber nicht daran hinderte, die Produktion weiter laufen zu lassen ( Die produzierte Nickelmenge war sogar noch größer als zuvor).

Solvay: Hat alles seine Richtigkeit !

Ob da wohl irgendjemand irgendjemanden kannte, der jemanden kannte, der von jemandem wusste, der....

 

Die Q'eqchi protestierten, sie demonstrierten tagelang vor der Mine. Bis die Polizei kam. Und plötzlich lag ein Demonstrand am Boden. Carlos Maaz war tot. Erschossen von einem Polizisten. Die Polizei aber sagt: Niemand habe geschossen. Aber der Journalist  Carlos Ernesto Choc schon: ein Foto, auf dem der Polizist mit gezückter Pistole zu sehen ist.

 

Solvay: Nein, nein und nochmals nein! Stimmt alles nicht. Carlos Maaz ist an einem Herzinfarkt gestorben. Es gibt keine Luftverschmutzung, der See ist sauber, und wenn er mal rot wird, dann liegt das wahlweise an der harmlosen Alge Batryococcus braunii oder am Wetter, das für Aufwirbelungen der Sedimente sorgt.

 

Aber warum wurde dann der Journalist Choc überwacht, belästigt und verfolgt?  Warum sah er sich gezwungen, für mehr als ein Jahr in den Untergrund zu gehen, nachdem man ihn angezeigt hatte ?

 

Solvay: Wir weisen alle Vorwürfe zurück. Diese Informationen entsprechen nicht der Realität.Wir stehen in fortlaufenden Dialog mit den lokalen Gemeinden und pflegen gutnachbarschaftliche Beziehungen. Im übrigen unterstützen wir die Freiheit der Presse.

 

Und CEO Dan Bronstein setzt noch eins drauf:

Wir widersprechen allen Anschuldigungen, die ohne Faktenbasis vorgebracht werden. Die Solway Investment Group arbeitet in vollem Einklang mit geltendem nationalem Recht sowie internationalen Regeln. Unsere Arbeit wird sorgfältig von nationalen Aufsichtsbehörden und internationalen Wirtschaftsprüfungs- und Zertifizierungsstellen überwacht sowie vom Schweizer Departement für auswärtige Angelegenheiten, dem Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) und der Schweizer Botschaft

 

 

Rumms! Das sitzt! So viele Behörden, die sich um Solvay Sorgen machen!

Nur dass  470 aus dem Unternehmen geleakte E-Mail-Konten und acht Millionen Dokumente nahe legen, dass der Minenbetreiber Schäden an der Umwelt offenbar nicht nur in Kauf genommen, sondern möglicherweise auch zu vertuschen versucht hat.

 

Was nu, Dan Bronstein?

Ich hätte da einen Vorschlag zur Güte: Verbringen Sie doch ihren nächsten, höchstverdienten Urlaub an der frischen Luft der Stränden des romantisch-rosaroten Izabal-Sees. Unternehmen Sie spannende Tauchgänge dort, wo sich das mineralwassergleiche Abwasser der Mine in den See ergießt. Machen Sie Ausflüge zu den Maya Q'eqchi, die Sie sicherlich mit offenen Armen und gegrilltem Fisch aus den unergründlichen Gewässern des Sees empfangen werden. Und zeigen Sie Größe, besuchen Sie die Familien von Carlos Maaz und Ernesto Choc und bringen Sie Ihnen als Gastgeschenk ein kleines Schmuckstück aus Nickel mit.

Ich denke, aus diesem Urlaub werden Sie reich an neuen Erkenntnissen und unvergesslichen Erlebnissen  wiederkehren.

 

Worauf warten Sie noch? Guatemala lockt, Guatemala rockt.

 


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